Oberstedten bis 1945

Geschichte Oberstedtens bis 1945

Politisch und territorial gehört das Dorf Oberstedten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ununterbrochen als eines von sechs Amtsdörfern zum Amt Homburg und unterliegt in dieser Eigenschaft im Laufe der Jahrhunderte einer Reihe von Herrschaftswechseln. Zu einem nicht genau ermittelbaren Zeitpunkt um 1200 vollzieht sich der käufliche Erwerb der erwähnten Burg Homburg durch die Herren von Eppstein – einem der bedeutendsten und mächtigsten Grafengeschlechter zur damaligen Zeit im Taunus.

Infolge des kinderlosen Todes von Landgraf Ferdinand von Hessen-Homburg (1848-1866) im März 1866 fällt der Kleinstaat vertragsgemäß an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt zurück, das den gerade gewonnenen Besitz noch im selben Jahr nach Ende des preußisch-österreichischen Krieges an das Königreich Preußen abtreten muss. Im darauffolgenden Jahr kommt es im Zuge der Neuorganisation der Verwaltungsbehörden in den von Preußen annektierten Gebieten zur Bildung des Regierungsbezirks Wiesbaden – die Landgemeinde Oberstedten ist nun eines von 82 selbständigen Gemeinwesen im neu geschaffenen Obertaunuskreis.


Letzterer besteht – seit 1885 in abgespeckter Form – bis 1972. In diesem Jahr werden die Kreise Obertaunus und Usingen im Rahmen einer groß angelegten kommunalen Gebietsreform der hessischen Landesregierung zusammengelegt, es entsteht der neue Hochtaunuskreis mit der Kreisstadt Bad Homburg. Neben der Reduzierung der Landkreise beinhaltet dieses umfangreiche Reformpaket noch die Zielvorgabe, die Zahl der politischen Gemeinden in Hessen zu verringern. Davon direkt betroffen ist auch das bis dahin selbständige Dorf Oberstedten.

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ist – wie überall in Deutschland – geprägt von den Auswirkungen der beiden großen Kriege, die auch in dem Dorf Oberstedten tiefgreifende Spuren und Wunden hinterlassen. Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) werden 350 Männer zu den Waffen gerufen, 31 von ihnen kehren aus dem Feld nicht zurück. Auch der Zweite Weltkrieg (1939-1945), der in weiten Teilen des Erdballs unvorstellbare Zerstörungen zurücklässt, bleibt besonders den Oberstedtener Familien in schmerzlicher Erinnerung, die Angehörige, nahe Verwandte oder Freunde verlieren – und es sind nicht gerade wenige. Von den 385 zur Wehrmacht eingezogenen Männern finden viele den Tod auf den Schlachtfeldern – die überlieferten Zahlenangaben sind hier nicht eindeutig, man liest von 60 Gefallenen, an anderer Stelle ist von 54 getöteten und 34 vermissten Soldaten die Rede.
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